Sampling-Urteil – ein wichtiger Schritt für die künstlerische Freiheit

Bild: CC BY NC ND - Timecodex

Gestern hat das Bundesverfassungsgericht – wieder einmal – eine wegweisende Entscheidung [1] getroffen. Die Klage von “Kraftwerk” gegen den Musikproduzenten Moses Pelham wegen des Samplens von 2-Sekunden aus einem Kraftwerksong wurde an den Bundesgerichtshof zurück verwiesen mit der Auflage, eine neue Bewertung einzureichen. 

Aus dem Urteil:

„Die Verwendung von Samples zur künstlerischen Gestaltung kann einen Eingriff in Urheber- und Leistungsschutzrechte rechtfertigen. Steht der künstlerischen Entfaltungsfreiheit ein Eingriff in das Tonträgerherstellerrecht gegenüber, der die Verwertungsmöglichkeiten nur geringfügig beschränkt, können die Verwertungsinteressen des Tonträgerherstellers zugunsten der Freiheit der künstlerischen Auseinandersetzung zurückzutreten haben.“ Aus dem verwendeten Sample sei ein neues, eigenständiges Kunstwerk entstanden, ohne dass Kraftwerk dadurch wirtschaftlichen Schaden habe. Ein Verbot würde „die Schaffung von Musikstücken einer bestimmten Stilrichtung praktisch ausschließen“. (Az. 1 BvR 1585/13)

Bruno Kramm [2], unser Spitzenkandidat für die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus und Themenbeauftrager für Urheberrecht, der selbst Musiker und Musikproduzent ist, führt hierzu aus:

»Sampling ist eine Kulturtechnologie, die weit über das Zitat, die Musikszene und die Popkultur hinausgeht. Klangliche Fragmente und Schleifen in Form von Samples sind Facetten eines gemeinsamen Klangkosmos, der uns alle umgibt, durchdringt und von Künstlern neu geformt, in neuem Kontext weiterlebt. Dabei ist die Technologie schon viel weiter, denn die Klangsynthese von heute kann jedes Sample in seine physikalische Natur zerlegen und in neuer Tonart, Rhythmik und Klangfarbe neu entstehen lassen, die keinerlei Rückschluss auf die ursprüngliche Quelle zulässt. Dinge, die in diesem Urteil in ihrer Tragweite gar nicht zu fassen sind. Wer Kulturtechnologien verbietet, zensiert Kunst. Wer Sampling verbietet oder Lizensierungsregeln unterwirft, vernichtet ganze künstlerische Genres und zensiert die kulturelle Entwicklung.« [3] Video von Bruno Kramm hierzu

[1] http://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2016/bvg16-029.html

[2] http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Brunokramm

[3] https://www.youtube.com/watch?v=ZSxkgM2meFw&feature=youtu.be

 


Weitere Informationen

Bezirksbüro
Du findest uns in der

Trettachzeile 3,
13509 Berlin

Telefon: 030 91445547

Geöffnet

Mittwoch bis Freitag: 15 - 18 Uhr

Freitag: 18 bis... ... nicht immer bekannt

Samstag und Sonntag: Nicht immer, aber immer öfter



Größere Kartenansicht